Kann ich mit Low-Code interne Unternehmensanwendungen entwickeln?

Interne Unternehmensanwendungen mit Low-Code entwickeln

Die Begriffe No-Code und Low-Code werden meist im Zusammenhang mit Start-ups, Unternehmensgründungen und disruptiven Geschäftsmodellen in Verbindung gebracht. Zugegeben, der Vorteil von No-Code und Low-Code für Start-ups oder auch Corporate Start-ups liegt klar auf der Hand. Allerdings können diese Vorteile auch für die Entwicklung von internen Unternehmensanwendungen genutzt werden.

In diesem Artikel zeige ich auf, ob interne Unternehmensanwendungen mit Low-Code entwickelt werden können, welche Vorteile es bietet und worauf besonders zu achten ist.

Los geht’s.

Ist die Entwicklung von internen Unternehmensanwendungen sinnvoll?

Die Frage, ob überhaupt Individualsoftware entwickelt wird, muss ganz unabhängig von No-Code oder Low-Code beantwortet werden. Die Alternative dazu ist die Verwendung von Standardsoftware oder auch speziellen SaaS (Software-as-a-Service)-Lösungen. Es gibt bereits für viele Unternehmensbereiche und den entsprechenden Anforderungen eine Softwarelösung auf dem Markt. Sollte diese Lösung bereits die Anforderungen abdecken und entspricht zudem den langfristigen Budgetvorstellungen, dann ist die bekannte „Make or Buy“-Entscheidung recht schnell entschieden.

Low-Code im Vergleich zu SaaS für interne Unternehmensanwendungen
Low-Code im Vergleich zu SaaS für interne Unternehmensanwendungen

Der Nachteil von Standardsoftware oder SaaS-Lösungen ist, dass diese wenig bis gar nicht an die jeweiligen Anforderungen angepasst werden können. Genau an diesem Punkt befinden sich viele Unternehmen und insbesondere IT-Leiter. Durch die immer komplexer werdenden Prozesse sind SaaS-Angebote häufig nur auf kurze Sicht eine Lösung. Der Bedarf an Individualsoftware für interne Unternehmensanwendungen steigt deutlich schneller an als interne IT-Kapazitäten aufgebaut werden.

Das Resultat sind unglückliche Anwender der Fachabteilung, zu viele Projekte und zu wenig Fortschritt bei der internen Digitalisierung.

Viele dieser internen Unternehmensanwendungen können mit No-Code oder Low-Code entwickelt werden. Der Vorteil dabei ist, dass deutlich weniger Zeit und Budget benötigt wird und gleichzeitig die Fachabteilung als Citizen Developer mit eingebunden wird.

Welche Applikationen können mit No-Code und Low-Code entwickelt werden?

Vereinfacht gesagt, kann jede interne Unternehmensanwendung mit No-Code oder Low-Code entwickelt werden. Allerdings ist es stark abhängig, mit welcher Plattform die Anwendung entwickelt wird und was der konkrete Anwendungsfall ist. Aber selbst, wenn nicht alle Funktionen mit No-Code oder Low-Code abbildbar sind, ist es möglich, mit zusätzlichen Cloud-Services oder Eigenentwicklungen diese zu ergänzen.

Es eigenen sich jedoch manche Applikationen deutlich besser für die Verwendung von No-Code und Low-Code als andere. Anbei eine Auflistung von Anwendungsbeispielen, welche aus unserer Erfahrung sehr gut für No-Code und Low-Code geeignet sind.

  1. HR Anwendungen z.B. für Mitarbeiterbewertungen oder Zeiterfassung
  2. Projektmanagement Anwendungen z.B. für Scrum, OKRs, Kanban
  3. Jegliche Art von Dashboard- oder Reportinganwendungen
  4. Anwendungen für den Außendienst
  5. Workflowsysteme
  6. Inventory Management Systeme
  7. Shopfloor Management Systeme
  8. Digitales Prozessmanagement
  9. Kundenportale
  10. Jegliche Art von Plattformen
  11. E-Commerce

Die Möglichkeiten sind vielfältig und diese Auflistung ist nur exemplarisch.

Zusätzlich ist es möglich, No-Code Lösungen mit bereits bestehenden Lösungen zu integrieren. Meistens gibt es bereits IT-Systeme, welche Daten sammeln und verarbeiten. Mit No-Code und Low-Code müssen diese nicht ersetzt werden. Viel mehr kann auf bereits bestehenden Applikationen aufgebaut werden.

Was ist bei der Entwicklung von internen Unternehmensanwendungen mit No-Code und Low-Code besonders zu beachten?

Die Vorteile von No-Code und Low-Code sind recht schnell erkennbar. Trotzdem haben Unternehmen bereits schlechte Erfahrungen mit dem Thema gemacht oder hadern mit der Einführung von No-Code oder Low-Code Technologien. Damit die Entwicklung für interne Unternehmensanwendung erfolgreich wird, sollten die folgenden Punkte beachtet werden.

Integration in bestehende IT-Systemlandschaft

Wir starten gleich mit dem wohl wichtigsten Punkt. Die jeweilige Entwicklungsplattform muss eine Integration in bestehende IT-Systemlandschaften erlauben. Das bedeutet, dass beispielsweise vorhandene Benutzermanagementsysteme für die Authentifizierung genutzt werden können. Beispielsweise haben wir bereits für alle internen Anwendungen eine Azure Integration vorgenommen. Es gibt nichts Schlimmeres, als eine Vielzahl von unterschiedlichen Benutzermanagementsysteme, sowohl für den User, als auch für den IT-Administrator.

Daneben müssen neben Standardschnittstellen (Rest oder GraphQL), auch CSV Integrationen möglich sein. Daten müssen flexibel von anderen Systemen zu konsumieren sein, um entsprechend verarbeitet zu werden. Gerade bei älteren Standardsysteme kommt man jedoch nicht um eine zusätzliche Entwicklung von entsprechenden Konnektoren drum herum. Daher ist es bei der Auswahl den richtigen Low-Code Plattform wichtig, darauf zu achten, dass diese eigenen Programmiercode zulässt.

Keine Schatten-IT

Der Begriff der Schatten-IT lässt besonders IT-Administratoren und IT-Security Manager zusammen schrecken. Nicht selten kommen oft nach jahrelanger Benutzung Softwaresysteme zum Vorschein, welche erhebliche Kosten verursachen und gegen interne Richtlinien verstoßen. No-Code und Low-Code kann ein Mittel gegen die Schatten-IT sein. Oftmals ist die Schatten-IT die Antwort darauf, dass Fachabteilungen nach geeigneten Lösungen suchen und die IT-Abteilung zu wenig Kapazität hat. Statt einer gemeinsamen Lösung, versuchen sich Fachabteilungen zu behelfen und kaufen meist SaaS-Lösungen oder beauftragen Individuallösungen.

Bei jedem Entwicklungsprojekt ist es unabdingbar, die IT-Abteilung zu involvieren. Bestenfalls hat die interne IT-Abteilung eine Auswahl an verschiedenen Low-Code Plattformen, welche für Citizen Developer nutzbar sind. So kann die benötigte Geschwindigkeit und eine entsprechende Governance eingehalten werden.

Sicherstellung von Betrieb und Weiterentwicklung

Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass der Betrieb, sowie die Weiterentwicklung der jeweiligen Anwendung sichergestellt ist. Es gibt nichts Schlimmeres, als eine interne Unternehmensanwendung extern zu entwickeln und diese nicht eigenständig betreiben zu können. Gerade bei der Zusammenarbeit mit externen Low-Code Agenturen ist darauf zu achten, dass eine geeignete Übergabe erfolgt. Dazu gehört jedoch nicht nur ein einmaliger Wissensaustausch. Bei der Entwicklung der Anwendung sind ebenfalls die folgenden Aspekte zu beachten:

  • Einhaltung einer aussagekräftigen Namenskonvention
  • Konfigurierbarkeit wichtiger Applikationsparameter
  • Den gesamten Lebenszyklus der Daten zu berücksichtigen
  • Hinweise zu geben für zukünftige Problemstellungen
  • Möglichst wenige technische Abhängigkeiten zu schaffen
  • Schnittstellen und Funktionen der Anwendung fehlertolerant zu entwickeln

Wie kann ich mit der Entwicklung starten?

Du möchtest Low-Code auch in deinem Unternehmen umsetzen, du weißt jedoch nicht so recht wie du anfangen kannst? Der Anfang kann recht kompliziert erscheinen. Es gibt derweil sehr viele verschiedene Tools am Markt und die Erfahrungswerte sind noch begrenzt. Genau solche Situationen hatten wir bereits mit unseren Kunden. No-Code und Low-Code sind nicht einfach nur andere Technologien. Die Projektabwicklung und die gesamte Projektorganisation verändert sich. Ich habe hier einen Artikel geschrieben und die Unterschiede zwischen agilen Projekten und No-Code Projekten aufgezeigt.

Wir haben bereits mehrere Kunden begleitet, bei ihrem ersten No-Code und Low-Code Projekten für ihre internen Unternehmensanwendungen. Dabei haben die folgenden Hinweise sehr geholfen:

Kleines, autarkes Team für schnelle Entscheidungen

Eine neue Technologie ist schon kompliziert genug. Das Team, welches sich damit beschäftigt, sollte nicht noch weitere Herausforderungen meistern müssen. Begrenze den Scope am Anfang und starte mit einem kleinen Team, welches eigenständig schnelle Entscheidungen treffen kann. Die Entwicklungsgeschwindigkeit beschleunigt sich sehr, daher muss dein Team auch viel schneller Entscheidungen treffen können, als es bei traditionellen Softwareentwicklungsprojekten der Fall ist.

Definiertes Budget und Zeitvorgaben

No-Code Projekten können mit falschem Projektmanagement genauso schlecht laufen, wie alle anderen Projekte auch. Gerade, wenn du dir noch unsicher bist, ob Low-Code oder No-Code das richtige ist, hilft es ein klar definiertes Budget mit entsprechenden Zeitvorgaben zu haben. Daran kannst du messen, ob sich deine Vorstellung in puncto Budget und Zeit bewahrheitet haben. Weiterhin riskierst du nicht zu viel Geld zu verbrennen, solltest du dich doch gegen Low-Code und No-Code entscheiden.

Wenig Abhängigkeiten zu anderen Systemen

Bei diesem Punkt darf nicht missverstanden werden, dass es mit No-Code oder Low-Code nicht möglich wäre, sich mit anderen Systemen zu integrieren. Das ist bei den meisten Plattformen nicht der Fall. Es geht viel mehr um die Geschwindigkeit und Organisation. Es ist überhaupt keine Seltenheit, dass erste Softwareversionen bereits nach 1-2 Wochen deployt werden. Damit das Projektteam nicht warten muss und unnötig Budget verbraucht, sollte die zu entwickelnde Anwendung möglichst wenig Abhängigkeiten haben. Damit ist sichergestellt, dass das Projektteam konzentriert arbeiten kann und sich an die Technologie und Projektorganisation gewöhnen kann.

Den richtigen Partner auswählen

Bei dem ersten Low-Code Projekt empfiehlt sich ein Partner, welcher sowohl die Low-Code Welt versteht, als auch die Welt der klassischen Softwareentwicklung. Damit ist sichergestellt, dass die gleiche Sprache gesprochen wird und etwaige Missverständnisse schnell geklärt werden können. Zudem sollte die externen Entwickler bereits einige Projekte mit der Low-Code Plattform entwickelt haben, um das volle Potenzial von Low-Code zu nutzen.

Wir bei der Biberei haben jahrzehntelange Erfahrung bei der Softwareentwicklung mit und ohne Low-Code. Sprich uns gerne an und wir helfen dir Low-Code in deinem Unternehmen umzusetzen.